Alte Medikamente verkauft
Datum: Dienstag, 27.Mai 2003
Thema: Aktuelle Meldungen


Vorwürfe gegen Bayer-Tochter

Eine Tochter des Leverkusener Chemie- und Pharmakonzerns Bayer soll in den achtziger Jahren Medizin nach Asien und Lateinamerika verkauft haben, deren Einnahme ein hohes Risiko zur Übertragung des AIDS-Virus barg. Das meldet die "New York Times " unter Berufung auf interne Memoranden, Mitschriften von Marketing-Treffen und Nachrichten an ausländische Vertreiber. Bayer weist den Bericht zurück....


Den Nachforschungen zufolge soll die Bayer-Tochter Cutter Biological zeitgleich bereits ein sicheres Medikament in den USA und in Europa verkauft haben. Weiter heißt es, Cutter Biological habe eine alte Version eines Blutprodukts für Bluterkranke im Ausland vertrieben, weil diese in in den USA und in Europa nicht mehr gut zu vermarkten war. Bei dem Präparat handelt es sich um ein Medikament mit dem Namen "Faktor VIII Konzentrat", das mit Blutplasma hergestellt wurde.

In einer Bayer-Erklärung vom Donnerstag heißt es zu den Vorwürfen: "Die Entscheidungen, die fast vor zwei Jahrzehnten getroffen wurden, basierten zu dem Zeitpunkt auf den besten verfügbaren Informationen und stimmten mit den geltenden Auflagen überein." "Es ist unglücklich, dass die jüngsten Nachrichten diese fast zwanzig Jahre alte Tragödie wieder aufgerollt haben", so Gunnar Riemann, Präsident der Bayer-Blutproduktsparte.

Die Zeitung zitiert Mitarbeiter von Bayer, die sagten, das Unternehmen habe sich "verantwortungsvoll, ethisch und human" verhalten, als es das ältere Produkt verkaufte. Tatsächlich habe das Medikament aber ein erhöhtes Übertragungsrisiko aufgewiesen, da es zu der damaligen Zeit noch kein Testverfahren zum Nachweis des die Immunschwäche Aids auslösenden Virus gegeben habe, schreibt die "New York Times". Das neuere Mittel sei hitzebehandelt, um das Virus abzutöten.

Bei seinen Vorwürfen beruft sich die Zeitung konkret auf einen Fall, in dem die Bayer-Tochter Cutter ein Vertriebsunternehmen in Hongkong angewiesen haben soll, anstelle des sicheren, besseren Medikamentes Bestände des altes Präparats auszuliefern. Insgesamt habe die Firma offenbar noch mehr als 100.000 Ampullen des älteren Präparats exportiert, obwohl es zeitgleich bereits das neue Mittel verkauft hat.

Bayer habe rund 600 Mio. Dollar gezahlt, um mehr als ein Jahrzehnt an Klagen im Zusammenhang mit dem Produkt beizulegen, heißt es in dem Bericht weiter. Einzelheiten über den Vertrieb des Produkts in Asien und Lateinamerika seien in Dokumenten zu den Klagen gefunden worden, die zuvor noch nicht untersucht worden seien.

Bayer bestätigte, dass weltweit noch sieben Klagen im Zusammenhang mit zum Teil durch das HIV-Virus verseuchten Blutgerinnungspräparaten anhängig seien. Ein Teil der Klagen stamme aus den USA. "Wir arbeiten darauf hin, alle Prozesse zu vergleichen. Die Risiken sind vollständig durch Versicherungen und Rückstellungen abgedeckt."

Quelle: n-tv.de





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